Beschreibung
„Irmgard“ ist hier offenbar bewusst mit einer einfachen Flöte oder Schalmei in Szene gesetzt. Das Requisit deutet auf musikalische Erziehung, kulturelle Bildung oder familiäre Werte hin. Die Protagonistin hat vor einer Hecke auf dem Boden Platz genommen und blickt direkt in die Kamera. Sie trägt ihre Haare offen, ein weit geschnittenes Kleid und eine barettartige Mütze. Die korsettlose Kleidung hatte im Kaiserreich um 1900, im Zuge der Reformbewegung, die lange Zeit übliche gesundheitsschädliche Mode abgelöst, unter den bürgerlichen Idealen von Natürlichkeit, Disziplin und Bildung. Es entsteht der Eindruck eines arrangierten Erinnerungsbildes. Es gibt weniger den Alltag wieder, als vielmehr das zeittypische Verständnis einer adoleszenten Identität. Ihre Fotografie erinnert stark an das von Alfred Stieglitz aufgenommene Bild seiner Tochter „Kitty“ von 1907. (sg)